Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne | ||
Geschichte des Stalag 326 (VI K)
Im Frühjahr des Jahres 1941 wurde auf dem Truppenübungsplatz
Senne mit der Errichtung eines Stammlagers (Stalag) für
vorwiegend sowjetische Kriegsgefangene (sowjet.Kgf.) begonnen - das Lager unterstand dem Oberkommando der Wehrmacht (OKW). Insgesamt gab es im Jahre 1941
im Deutschen Reich 80 Stalags.
Lagerverhältnisse Als die ersten 4.000 sowjet.Kgf. im Juli 1941 in Stukenbrock-Senne ankamen, waren noch keine Unterbringungsmöglichkeiten (Baracken) vorhanden. Bis auf einige Gebäude im Verwaltungsbereich (Deutsches Lager), war das Lagergelände nur eingezäunt und unbebaut. Selbstgebaute Erdhöhlen aus unterschiedlichen Materialien dienten anfangs zum Schutz vor Kälte, Wind und Regen. Vor Wintereinbruch (1941) konnten alle Kriegsgefangene in Baracken untergebracht werden. Die hygienischen Zustände waren vor allem in der Anfangs- und Aufbauphase absolut unzureichend. Anfang August 1941 breitete sich unter den Kriegsgefangenen eine Ruhrepidemie aus, die sehr viele Todesopfer forderte. Der Ruhrepidemie folgten die ersten Fleckfieberfälle. Der Einsatz von mobilen Entlausungsstationen konnte aber eine massive Erkrankung der Lagerinsassen an der bakteriellen Infektionskrankheit weitestgehend verhindern. Im Winter 1941/42 ließ die Lagerleitung ein modernes Entlausungsgebäude errichten - dieses Gebäude steht heute noch. In den Sommermonaten des darauf folgenden Jahres verstarben Tausende von sowjet. Kgf. an Tuberkulose (Schwindsucht). Unter Berücksichtigung der Unterernährung, die letztlich ebenfalls zur Immunschwächung beitrug, und der unzureichenden medizinischen Versorgung, war die Ansteckungsgefahr sowohl für die Lagerinsassen als auch für die Bevölkerung groß. Die Ernährung für die sowjet.Kgf. war unzureichend und von schlechtester Qualität. Trotz eines zeitlich begrenzten Versuches der Lagerleitung, den von Hunger bedrohten Gefangenen zu helfen, dem Anschein nach aus Gründen des Arbeiteinsatzes, war die Ernährungslage der sowjet. Kgf. während der gesamten Kriegszeit ungenügend. Es ist bekannt, dass sich die Gefangenen in der Anfangszeit u.a. von Gras, Laub und Baumrinde ernährten. Aus Sicht eines ehemaligen Stalag-Offiziers reichte die Verpflegung nur aus, solange die Kgf. nicht schwer arbeiten mussten, und hatte "...die Unternährung das Stadium der Dystrophie erreicht, dann wurde eine Behandlung im Lagerlazarett versucht, das in ärgsten Zeiten mit über 1.000 Kranken belegt war." Nachweislich waren etwa 300.000 sowjet.Kgf. bis zum Ende des Krieges im Stalag 326 untergebracht. Wachmannschaften Eine Beurteilung der Verhältnisse in Bezug auf das Lagerpersonal ist insofern schwierig, als dass fundierte Untersuchungen fehlen. Nach Auffassung von Christian Streit mussten das propagierte Feindbild vom "Untermenschentum" und die Befehle der militärischen Führung bei einem Teil der Wehrmachtsangehörigen den Eindruck erweckt haben, dass die sowjet. Kgf. "wertlos" seien. Erinnerungen ehemaliger Kgf. und die Berichte seitens der deutschen Bevölkerung bestärken den Verdacht, dass die Anti-Bolschewistische Propaganda, die die "rassische Minderwertigkeit" der sowjet. Bevölkerung proklamierte, ebenso im Stalag 326 dazu führte, dass das Lagerpersonal in vielen Fällen "brutal" und "unmenschlich" handelte. Wer und wie viele Personen sich letztlich an den Übergriffen beteiligt haben, lässt sich auf heutiger Sicht nicht mehr ermitteln. Nach Kriegsende berichteten US-Korrespondenten, dass kurz vor der Befreiung ein Teil der Wachmannschaften auf die Wachtürme floh und erst nach Beteuerung der amerikanischen Soldaten, sie zu schützen, wieder herunterkamen. Arbeitseinsatz Die sowjet. Kgf. wurden unter anderem in der regionalen Landwirtschaft sowie in heimischen Betrieben eingesetzt. Viele derjenigen, die im Stalag 326 registriert wurden, mussten unter extremen Bedingungen im Ruhrgebiet (Montanindustrie) arbeiten. Auf Grund der sehr schlechten Lebensbedingungen, sowohl bezüglich der Lebensmittelversorgung als auch in der medizinischen Betreuung, verstarben sehr viele sowjetische Kriegsgefangene - "Vernichtung durch Arbeit". Westallierte Kgf. Neben den sowjet. Kgf. wurden im Stalag 326 auch Angehörige anderer Nationalitäten inhaftiert. Sie wurden ab September/Oktober 1942 im etwa 220m x 200m großen so genannten "Westlager" untergebracht, das ab Frühsommer 1941 nach und nach errichtet wurde. Bei den Gefangenen des Westlagers handelte es sich hauptsächlich um Franzosen sowie Serben und Polen. Ab Ende 1943 kamen auch Italiener hinzu. Die meisten waren auf Arbeitskommandos verteilt und nur bei Krankheit, bei entsprechenden Arbeiten oder zur Genesung im Lager. Die Gefangenen im "Westlager" wurden weitaus "besser" (Genfer Konvention) behandelt als die sowjetischen Kriegsgefangenen. Die Lagerverhältnisse für die sowjet. Kgf. erbringen den Nachweis, dass das nationalsozialistische Regime die völkerrechtlich verbindlichen Artikel der Genfer Konvention vom Juli 1929, ab 1934 Reichsgesetz, gegenüber den sowjetischen Militärangehörigen nicht umsetzte. Die Genfer Konvention regelte die Behandlung von Kriegsgefangenen. Nach Artikel 10 und 11 musste eine Unterbringung in hygienisch einwandfreien Unterkünften gewährleistet sein, sowie eine ausreichende Verpflegung und medizinische Versorgung. Die Sowjetunion ratifizierte dieses Abkommen nicht. Nach Ansicht der nationalsozialistischen Regierung war damit die internationale Einigung gegenüber der Sowjetunion nicht verbindlich. Dennoch sollte zumindest die Haager-Landkriegsordnung von 1907 gelten. Die damaligen deutsche Regierung erkannte das Abkommen an und setzte es in nationales Recht um. Damit war sie auch für die Angehörigen der Wehrmacht verbindliches Recht. Somit musste für Nahrung, Unterkünfte und Kleidung, auf demselben Niveau wie bei den eigenen Truppen, gesorgt werden. Das Lager wurde am 2. April 1945 von amerikanischen Truppen befreit. | ||
| Dynamisches CMS von ProgStar (c) | ||